![]() | Der folgende Text ist vor allem für diejenigen gedacht, die nichts oder nur wenig über die Ramones wissen. Für die "Die-Hard"-Fans dürfte der grösste Teil dessen was hier zu lesen steht längst bekannt sein.
Gegründet wurden die Ramones im Jahr 1974 in Forest Hills, Queens, New York. Zu den ursprünglichen Gründungsmitgliedern gehörten Johnny Ramone, DeeDee Ramone und Joey Ramone, welcher damals noch das Drumkit bediente, während DeeDee sang. Abgelöst wurde Joey an den Drums von Tommy Ramone, während Joey die Drumsticks gegen das Mikro tauschte. Um Missverständnisse zu vermeiden: Bei den Ramones handelt es sich keineswegs um Brüder. Selbstverständlich sind die Nachnamen "Künstlernamen". Tatsächlich heissen die "Brüder" Jeff Hyman (Joey Ramone, *19.05.1951 +15.04.2001), John Cummings (Johnny Ramone, *08.10.1951), Douglas Colvin (DeeDee Ramone, *18.09.1952) und Tom Erdelyi (Tommy Ramone, *29.01.1952). Tommy wurde später ersetzt durch Mark Bell (Marky Ramone, *15.07.1956), der vorher bei der Kult-Kapelle Richard Hell and the Voidoids getrommelt hatte.
Entgegen dem damaligen musikalischen Zeitgeist, man denke nur an Bands wie Led Zeppelin, Pink Floyd o.ä., spielten die Ramones ihre Songs geradeaus, in geradezu minimalistischer Instrumentierung (Gitarre, Bass, Schlagzeug, Gesang), jeder Song keine zwei Minuten lang. Dies hing auch, nach eigenen Aussagen der Ramones, mit dem Unvermögen zusammen, kompliziertere Sachen nachzuspielen. Statt aber die Flinte ins Korn zu werfen, erhob man den Minimalismus zum Programm, und es ward eine neue Musikrichtung geboren: Punkrock! (Selbstverständlich profitierten die Ramones von ihren Vorgängern wie Iggy and the Stooges, the New York Dolls usw.). Streng genommen orientierten sich die Ramones stark an den "klassischen" Rock 'n' Roll Bands der 50er und 60er Jahre, nur eben mit verzerrter Gitarre und einige Umdrehungen schneller. So ist es also kein Zufall, dass die Ramones eben solche Songs coverten (aber so genial, dass man denken könnte es wären ihre eigenen), wie Surfin' Bird, Do you wanna dance, Let's dance oder California Sun. Die Ramones verstanden sich auch immer eher als kleine schmutzige Rock 'n' Roll Kapelle, denn als Punk-Band. Trotzdem entstand 1974 das, wovon noch heutige Bands wie Green Day, Offspring oder auch Nirvana zehren. 1976 veröffentlichten die Ramones dann ihr erstes Studio-Album "Ramones", auf welchem absolute Klassiker wie "Blitzkrieg Bop", "Beat on the Brat" oder "Judy is a Punk" vertreten sind. Innerhalb von achtzehn Monaten erschienen dann noch das zweite Album "Leave Home" (mit "Gabba Gabba Hey - Pinhead") und das dritte "Rocket to Russia" (mit Sheena is a Punk Rocker, Rockaway Beach, Cretin Hop). Als die Sex Pistols ihre erste Scheibe herausbrachten, und das geht jetzt an alle, die die Sex Pistols (in allen Ehren!) immer noch für die Ur-Punk Rocker halten, hatten die Ramones bereits besagte drei Alben veröffentlicht! Jedem Ramones-Einsteiger seien diese Platten wärmstens ans Herz gelegt, denn hier klingen die Ramones so wie ihre Fans sie lieben. (Auch das 1978er Live-Album "It's Alive", das zu Recht zu den wichtigsten Live-Alben der Rockgeschichte gezählt wird, bietet einen optimalen Einstieg, da hier der Druck und die Energie der Ramones am besten hervorkommen). In ihren Songtexten zeigten die Ramones viel Humor, eine gewisse pubertäre "Rotzigkeit" (jedes dritte Stück heisst "I don't wanna...") und die Fähigkeit eine Aussage auf vier Textzeilen zu verdichten, ohne dabei abzuflachen. Obwohl die Ramones bereits in dieser frühen Phase sehr viel tourten, viele ihrer Songs durchaus Hit-Qualitäten hatten (nach Aussage von DeeDee Ramone in "Poison Heart" wollten die Bay City Rollers sogar "I wanna be your boyfriend" vom "Ramones"-Album haben - die Ramones lehnten ab), schafften sie es, von einigen Ausnahmen abgesehen, nie, den musikalischen Mainstream zu überzeugen, und somit Top10-Positionen zu erreichen. Selbst als 1989, mit Veröffentlichung der Stephen King Verfilmung "Friedhof der Kuscheltiere", zu dem die Ramones den Titel-Track lieferten, der Star-Autor sich als großer Ramones Fan outete, schafften sie den Durchbruch nicht. Und genau dies machte ihnen in den Jahren nach 1978 schwer zu schaffen. Mit dem Album "Road to Ruin" (dessen Titel sicherlich nicht aus Versehen so lautet), veröffentlichten sie zwar nocheinmal ein Album, dass soundtechnisch und musikalisch einen Schritt weiter führte, ohne die ursprünglichen Ramones zu verwässern, doch danach kam, so wohl die einhellige Meinung aller Ramones-Fans, der vorläufige Absturz. In ihrem Bemühen eine Top10 Position zu erreichen wurde ein Produzent gewählt, der von Punk Rock etwa soviel verstand wie Lothar Matthäus von Englisch: Phil Spector. Mit seiner "Wall of Sounds" produzierte er die Ramones, und "End of the Century", dessen Songmaterial eigentlich genial ist, in Grund und Boden. Nicht umsonst verkrachten sich Marky, Johnny und DeeDee mit Spector (der, wie die Ramones auch, ein schweres Alkohol-Problem hatte). DeeDee Ramone behauptet (ebenfalls in "Poison Heart") er wisse nicht, wer das Album eingespielt hat, aber die erwähnten drei waren es nicht! Dies könnten aber auch die nicht mehr ganz frischen Erinnerungen eines schweren Junkies, der DeeDee nun mal war, sein. In jedem Fall blieb "End of the Century" die glücklicherweise letzte Studioplatte mit Phil Spector an den Reglern. Mit der Cover-Version "Baby I love you" schafften die Ramones dann auch in England eine Top10 Platzierung. In den folgenden Jahren, bis 1984, veröffentlichten die Ramones "Subterranean Jungle" und "Pleasant Dreams", von denen im Live-Set lediglich "Psycho Therapy" und "The KKK took my Baby away" überlebten. Als dann 1984 "Too Tough to Die" (ein durchaus autobiographisch zu verstehender Titel) erschien, ging es mit den Ramones wieder so richtig aufwärts. Zwischenzeitlich hatten die Ramones den Drummer gewechselt, nachdem Marky im Suff einen Flieger verpasst hatte, wodurch die Band einen Gig absagen musste. Marky wurde durch Richie Ramone ersetzt (dies war nicht Elvis Ramone wie manchmal geglaubt wird. Bei Elvis Ramone handelte es sich um Clem Burke von "Blondie", der aber nach nur zwei Shows rausflog, weil er einfach kein Ramones-mäßiges Schlagzeug drauf hatte). Mit Richie veröffentlichten Sie "Too Tough to Die", "Animal Boy" und "Halfway to Sanity". Weil aber Richie Ramone irgendwann durchdrehte und plötzlich mehr Geld wollte, wurde er kurzerhand rausgekickt und Marky, der mittlerweile sein Alkoholproblem in den Griff bekommen hatte, kam zurück. Mit ihm wurde dann 1989 "Brain Drain" veröffentlicht (auf welchem auch "Pet Semetary" vertreten ist, neben "Blitzkrieg Bop" das Stück, das die meisten nicht-Fans kennen!).
Ein Ereignis, das viele Fans zunächst sicherlich schockierte, folgte dann ebenfalls 1989: DeeDee Ramone, einer der kreativen Köpfe verliess die Ramones. DeeDee, der schon lange auf Heroin war und sich von dem Ramones-Image (lange Haare, Lederjacke, Turnschuhe) angenervt fühlte, weshalb er sich schon früher die Haare kurz geschnitten hatte, stieg aus, um fortan Rap zu machen und benannte sich um in DeeDee King. Ein Ersatz musste her, und man wurde auch fündig: Engagiert wurde C.Jay Ramone (Christopher Joseph Ward, *08.10.1965). Ein unglaublich sympathischer und zudem überaus jugendlicher Ersatz für DeeDee. Der Großteil der Fans akzeptierte ihn von der ersten Sekunde an. Sein Debut gab er am 4. September 1989. Die erste Studio-Scheibe mit C.J. war "Mondo Bizarro". Es folgten noch "Acid Eaters" und schließlich "Adios Amigos". Die Ramones beendeten ihre Laufbahn 1996 auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. "Adios Amigos" bekam nur die allerbesten Kritiken, und die Shows in aller Welt waren ausverkauft. In Argentinien füllten die Ramones sogar ganze Stadien. Um nicht wie die "Rolling Stones" zu enden wurde hier, auf drängen von Johnny, der Schlußpunkt gesetzt. Am 15.04. 2001 starb Joey Ramone, der legendäre Sänger der RAMONES, an Lymphdrüsenkrebs. In seinen letzten Lebensjahren arbeitete Joey an seiner, mittlerweile erschienenen, Solo-Scheibe, die bezeichnenderweise den Titel "Don't worry about me" trägt. Auf Rhino-Records wurden die legendären ersten vier Alben der Ramones auf CD in digital überarbeiteter Form wiederveröffentlicht, die auch einige bislang unveröffentlichte Bonustracks enthält. Auf der letzten Seite des CD-Booklets findet sich das folgende Zitat von Arturo Vega, dem langjährigen, nach eigenen Aussagen "Propagandaminister" der Ramones (er entwarf die T-Shirt-Logos), das so schön ist, dass es gar nicht oft genug zitiert werden kann: "... I know you wouldn't want us to be sad. But we are. We are very, very sad.". Das gleiche gilt auch für Dee Dee Ramone, der am 05.06.2002, also ebenfalls im Alter von 49 Jahren, an einer Überdosis starb. Der "Chinesische Felsen", in dem in einem von Dee Dee geschriebenen Stück der Ramones die Rede ist (I'm livin' on a chinese rock, all my best things are in hug, I'm livin' on a chinese rock, everything is in a pawn shop), begrub letzten Endes Dee Dee unter sich. Die Redewendung "Chinese Rock" war in den 70ern ein New Yorker Szeneausdruck für Heroin, bzw. Heroinabhängigkeit. Am 15.09.2004 starb Johnny Ramone, der legendäre Achtelnotenabschlaggitarrenpapst an Prostatakrebs. Ihm zu Ehren ließ seine Frau Linda in Kalifornien ein Johnny-Ramone Memorial mit einer Statue einrichten. Die Statue zeigt Johnny, wie er von jeher in der Erinnerung seiner Fans vorkommt: In Lederjacke und gitarrespielend. Getrost kann man die Ramones als eine der einflussreichsten Bands der letzten 30 Jahre bezeichnen und, wie das Musikmagazin SPIN einmal schrieb, neben den Beatles und den Rolling Stones zu einer der wichtigsten Bands der Rockgeschichte zählen. Nicht umsonst sind die RAMONES mittlerweile in die Rock 'n' Roll Hall of Fame aufgenommen worden. In New York wird zu Ehren von Joey Ramone der "Joey Ramone Place" eingerichtet. Motörhead's Lemmy sagte über die RAMONES: "The Ramones were special. That's why I wrote a song for them. They were better than they knew. DON'T FORGET THEM" (nachzulesen auf der Innenseite der "We're outta here"-Scheibe). Dies zu verhindern, nämlich dass man die RAMONES vergessen könnte, ist das erklärte Ziel der RÄMOUNS. Hier die Literatur, auf die sich obiger Text im Wesentlichen bezieht: Bessman, Jim (1993): Ramones. An American Band. St. Martin's Press. New York. ISBN: 0-312-09361-1 Ramone, DeeDee und Kofman, V. (1998): Poison Heart. Surviving the Ramones. Interlink Publishing Group Inc. ISBN: 0946719195 Wichtige Ramones-Links: DAS Ramones-Buch von Monte A. Melnick Jari-Pekka Laitio-Ramone's Website GABBA - eine Mischung aus Ramones und Abba
|